Ein paar Gedanken zu GIER

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»Gier ist gut, Gier ist richtig, Gier funktioniert«, sagt Michael Douglas 1987 als Börsenspekulant Gordon Gekko in dem Film »Wall Street«. Schließlich, so argumentiert er, habe die Gier in all ihren Formen die Entwicklung der Menschheit entscheidend geprägt und letztlich vorangebracht. Ganz nach dem Motto: Wären wir selbstgenügsam, säßen wir womöglich immer noch auf den Bäumen.

Es stellt sich also die Frage: Ist die Gier ein Markenzeichen unserer heutigen Gesellschaft, weil in diesem System jeder dazu ermuntert wird, seinen Vorteil zu suchen? Oder liegt die Gier systemunabhängig in der menschlichen Natur begründet?

Mir fällt hierbei die Geschichte von König Midas aus der griechischen Mythologie ein: Midas bittet den Gott Dionysos um die Gabe, alles, was er berührt, in Gold zu verwandeln. Dionysos erfüllt ihm den Wunsch, doch mit Entsetzen muss Midas feststellen, dass sich auch sein Brot in Gold verwandelt. Er wäre verhungert, wenn er dieses unselige Geschenk nicht hätte zurückgeben können.

Wenn wir uns heute, nach vielen Jahren des »Jeder ist sich selbst der Nächste« über die Gier beklagen, meinen wir jedoch meist die Gier der anderen damit – die der Banker, der Wirtschaftsbosse, der Politiker ect. Was wir oft vergessen, ist unsere eigene Gier, zum Beispiel nach immer noch mehr Konsum. Allerdings wird diese Gier zugleich auch ständig angeregt: In der traditionellen Volkswirtschaft wurden Güter hergestellt, um natürliche Bedürfnisse zu befriedigen. Heute werden immer neue künstliche Bedürfnisse erzeugt, um das Angebot der Hersteller abzusetzen. Die moderne Massenproduktion und damit einhergehend eine Werbewirtschaft, die zum permanenten Konsum auffordert, hält die imaginäre Gier nach IMMER MEHR ständig am Kochen, während Sättigung um jeden Preis verhindert werden muss.

Die Ausmaße einer auf rastloses Wachstum ausgerichteten Gesellschaft sind bereits deutlich sichtbar: Stetig steigende Zahlen von Depressionen und Burnout durch Überforderung, eine Zunahme von Angsterkrankungen und Süchten, sowie Einsamkeit und der Zerfall sozialer Beziehungen – dies sind die geheimen Kosten des Wohlstands.

Ich vertrete die Ansicht, wenn grundlegende Bedürfnisse gestillt sind, führt mehr Reichtum NICHT zu mehr Glück. Denn der Mensch der Gier verliert seine Seele, seine Freiheit, seine Gelassenheit, seinen inneren Frieden und somit das, was ihn zum Menschen macht.

P.S. Foto stammt aus einem Kreativprojekt. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten, an die Models, ideenreichen Köpfe und Stylisten  sowie dem Fotografen M. Seiboth.

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